Tipps für nachhaltige Körperpflege beim Camping

Nachhaltige Körperpflege beim Camping kann eine Herausforderung sein. Dabei lohnt es sich, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir zeigen euch, wie ihr frisch bleibt, ohne der Natur zu schaden.

Das Schönste am Campen ist die Nähe zur Natur. Für viele Camper gehört es deshalb zum A und O, ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Trotzdem – Waschen, Zähne putzen und Co. muss sein. Das Problem: Viele Produkte, die wir für gewöhnlich für die Körperpflege beim Camping nutzen, sind alles andere als nachhaltig. Sie stecken voller bedenklicher Inhaltsstoffe, die nicht nur unserer Gesundheit schaden, sondern eben auch der Natur. Bei der Körperpflege in freier Wildbahn passiert es ganz schnell, dass Mikroplastik und synthetische Konservierungsstoffe ungefiltert im Boden landen. Oder noch schlimmer – in offenen Gewässern. Und das ist so gar nicht nachhaltig.

Wir bei Campeleon wollen die Zukunft des nachhaltigen Reisens mitgehalten. Deshalb setzen wir bei unseren Campervans auf nachwachsende Rohstoffe und Recyclingsstoffe. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Was kannst du also tun, damit du nach 2 Wochen Camping nicht so sehr miefst, dass andere Camper einen großen Bogen um dich machen und du trotzdem nicht der Umwelt schadest? Die Lösung: Viele konventionelle Produkte lassen sich durch nachhaltige Naturprodukte ersetzen oder gleich ganz selbst machen. Aber schauen wir uns doch erstmal an, was herkömmliche Kosmetik eigentlich so problematisch macht.

Das steckt in herkömmlichen Pflegeprodukten

Silikone – flüssiger Kunststoff aus dem Chemielabor

Silikone werden z.B. in Shampoos eingesetzt, um das Haar seidig, gepflegt und glänzend aussehen zu lassen. Stattdessen legen sich die Silikone aber um Haut und Haar und gaukeln die Pflege nur vor. Langfristig trocknen die Haare und die Kopfhaut sogar eher aus. Ganz nebenbei gelangen die Silikone über das Abwasser auch direkt in unsere Umwelt. Sie sind biologisch schwer abbaubar und können sich in Gewässern und Seen anreichern. Was das für langfristige Folgen für Wasserorganismen haben kann, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Trotzdem können langanhaltende Schäden nicht ausgeschlossen werden .
So erkennst du Silikone: Meist Inhaltsstoffe mit der Endung –cone, -xane (z.B. Lauryl Methicone Copolyol, Polysiloxane, Dimethicone, Cyclopentasiloxane)

Polymere – auch bekannt als Mikroplastik

Polymeresind synthetische Stoffe, die oft in konventionellen Pflegeprodukten zu finden sind. Neben flüssigem oder gelartigem Plastik gehört auch das viel diskutierte Mikroplastik dazu. Als Mikroplastik gelten alle festen Kunststoffpartikel mit einer Größe von unter 5 Millimetern. In Shampoos dient es oft als Filmbildner und soll unserem Haar den nötigen Glanz verpassen, in Dusch- und Waschgels den gewünschten Peeling-Effekt mit sich bringen, in der Zahnpasta die Zähne strahlend weiß machen. Das Problem: Kläranlagen können Mikroplastik und andere synthetische Polymere nicht vollständig ausfiltern. Und auch beim Campen gelangen sie über unser Brauchwasser in die Umwelt und reichern sich in Gewässern und deren Lebewesen an. Die Auswirkungen sind auch hier noch unbekannt.
So erkennst du Polymere: Mikroplastik und Co. verstecken sich oft hinter komplizierten Namen. Einige Beispiele sind Acrylate Crosspolymer, Polyacrylate, Polyethylene, Methicone oder Siloxane.

Tenside – mehr Schein als Sein.

Tensidesind in fast jedem Shampoo, Duschgel oder Waschmittel zu finden. Ihre Aufgabe ist es, die Oberflächenstruktur aufzubrechen, um wasserunlöslichen Schmutz und Fette zu entfernen. Außerdem erzeugen Tenside Schaum, der uns suggeriert, dass so alles schön sauber wird. In konventioneller Kosmetik sind oft synthetische Tenside auf Erdöl-Basis zu finden. Die entfernen aber den natürlichen Schutzmantel der Haut und lassen sie längerfristig austrocknen. Das kann zu Hautirritationen führen. Besonders aggressiv sind Tenside mit der Endung –sulfate. Tenside im Allgemeinen sind nur schwer abbaubar und gelangen über das Abwasser in unsere Gewässer. Ein weiteres Problem: Die Erdölgewinnung ist eine Katastrophe für die Umwelt. Wertvolle Wälder werden gerodet, unberührte Küsten verwandeln sich in Industrieanlagen.
So erkennst du Tenside: Die häufigsten Beispiele sind Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Laureth Sulfate, Natrium Alkyloxysulfuricum, Natriumdodecylpoly-Oxyethylen und viele Weitere.

Parabene – fragwürdiger Konservierungsstoff

Parabenesind überwiegend synthetisch hergestellte, antibakteriell wirkende Konservierungsstoffe. Sie sorgen dafür, dass sich Shampoo, Cremes und Co. deutlich länger halten. Allerdings stehen Parabene im Verdacht, den Hormonhaushalt zu beeinflussen, weil sie in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen sehr ähnlich sind. Durch unsere Haut nehmen wir Parabene auf, die sich dann im Körper anreichern. Immer wieder werden sie auch mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Allerdings ist das bislang noch nicht ausreichend erforscht und deshalb umstritten. Trotzdem kannst du dir vorstellen, was es für Auswirkungen haben könnte, wenn Parabene in die Umwelt gelangen.
So erkennst du Parabene: Inhaltsstoffe mit der Endung –paraben, z.B. Methylparaben, Ethylparaben, Butylparaben.

Phthalate – synthetische Weichmacher

Phthalate sorgen in Kosmetik für eine cremige Konsistenz. Das Problem: Phthalate sind wasser- und fettlöslich, sodass sie gut über die Haut aufgenommen werden können und sich im Körper anreichern. So stehen auch Phthalate im Verdacht, sich auf den Hormonhaushalt auszuwirken. Sie werden sogar als mögliche Ursache für Diabetes, Fettleibigkeit und sogar Unfruchtbarkeit diskutiert. Besonders häufig sind Phthalate in Produkten wie Gesichtswasser und Deo enthalten.
So erkennst du Phthalate: Am häufigsten kommen Diethyl Phthalat (DEP) und Dimethyl Phthalat (DMP) vor. Sie können aber auch als Bestandteil von denaturiertem Alkohol (alcohol denat.) versteckt sein.

Nachhaltige Körperpflege-Produkte für den nächsten Camping-Trip

Natürlich war das nur ein Auszug bedenklicher Inhaltsstoffe. Leider gibt es noch viel mehr, worauf du (am besten nicht nur beim Camping) verzichten solltest: Kosmetische Farbstoffe, Palmöl, Paraffine und und und. Aber fast noch wichtiger, als zu wissen worauf du verzichten solltest, ist es zu wissen, welche Alternativen dir für die nachhaltige Körperpflege beim nächsten Camping-Trip bleiben.

Oft ist es schon eine gute Idee, auf Naturkosmetik zurückzugreifen, um einen Großteil der schädlichen Inhaltsstoffe zu vermeiden. Dabei solltest du auf Nummer sichergehen und ausschließlich zertifizierte Produkte verwenden. Eines der bekanntesten Siegel ist das Natrue-Siegel. Oder du machst deine Pflegeprodukte für die nächste Reise einfach selbst. Das geht oft ganz einfach. Außerdem weißt du ganz genau was drin ist und sparst auch noch unnötigen Verpackungsmüll. Wir zeigen dir, wie du Hygiene-technisch perfekt für den nächsten Trip gewappnet bist.

Auch, wenn du Naturkosmetik oder DIY-Produkte verwendest, solltest du dein Abwasser niemals in natürliche Gewässer entsorgen. Besser ist es, das gebrauchte Wasser einige Meter entfernt in den Boden zu kippen. Je weiter weg, desto besser. Die enthaltenen Stoffe werden von den dort lebenden Mikroorganismen deutlich besser abgebaut als in Gewässern. Für ein Bad im nächsten See oder Fluss solltest du komplett auf kosmetische Produkte verzichten.

Festes Shampoo oder No-Poo für unterwegs

Haare waschen unterwegs
Foto: Erick LarreguiUnsplash

Konventionelle Shampoos bestehen oft aus einem Chemiecocktail aus Silikonen, Weichmachern und Zusatzstoffen auf Erdölbasis. Da ist Naturkosmetik schon besser, allerdings werden auch hier die meisten Shampoos in Plastikflaschen verkauft, die unnötig Platz wegnehmen und Müll verursachen.

Eine gute Alternative ist festes Shampoo in Bio-Qualität, das es mittlerweile in jeder Drogerie zu kaufen gibt. Die sogenannten Shampoo-Bars sind vom Prinzip her wie normales Shampoo, nur eben in Seifenform. Festes Shampoo ist ideal für die nachhaltige Körperpflege beim Camping. Ein Stück ist sehr ergiebig und reicht auf jeden Fall einige Wochen aus. Eine weitere Möglichkeit ist die No-Poo Methode – also der Verzicht auf Shampoo. Dafür braucht es oft nur wenige simple Zutaten. Zum Beispiel kannst du dir die Haare wunderbar mit Roggenmehl waschen. Klingt verrückt, funktioniert aber ganz gut. Dazu verrührst du einfach 2-3 EL Roggenmehl mit Wasser, verteilst es in den Haaren, lässt die Mischung einige Minuten einwirken und wäscht sie dann wieder aus. Der Vorteil: Die Haare fetten viel langsamer nach und du musst sie nicht so häufig waschen, was auf Reisen ziemlich praktisch ist. Alternativ kannst du auch Heilerde oder Natron verwenden.  Anleitungen dafür findest du zum Beispiel bei smarticular.

Naturseife statt Duschgel

Foto: Heather FordUnsplash

Zum Duschen reicht klares Wasser eigentlich total aus. So richtig frisch fühlt man sich oft aber erst, wenn es beim Duschen schäumt und duftet, oder? Dann sind Duschseifen eine gute Alternative für dich. Achte darauf, ausschließlich Naturseifen zu verwenden, die ohne synthetische Inhaltsstoffe auskommen. Zu kaufen gibt es Naturseifen in Bioläden, Reformhäusern und immer häufiger auch in der Drogerie. Ansonsten gibt es auch online eine große Auswahl. Ein Klassiker ist die Alepposeife, die nach traditionellem Verfahren aus Olivenöl und dem Öl aus Lorbeerblättern hergestellt wird. Dabei kommt sie ganz ohne künstliche Aromen, Parfum und andere synthetische Stoffe aus. Sie eignet sich im Übrigen auch zur Haarwäsche. Damit schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe, sparst Platz und vermeidest Müll.

DIY Deocreme für unterwegs

Konventionelles Deo steckt voller schädlicher Inhaltstoffe für Mensch und Natur: Aluminiumsalze und synthetische Bakterienhemmer wie Triclosan sind nur zwei von vielen. Natürlich gibt es mittlerweile auch viele Naturkosmetikprodukte in der Drogerie oder im Bio-Laden. Aber: Es ist auch ganz einfach, sich sein eigenes Deo herzustellen. So kannst du dir wirklich sicher sein, dass beim Baden im See keine schädlichen Rückstände im Wasser zurückbleiben. Im Internet gibt es Massen an Rezepten für DIY-Deos. Zu den häufigsten Zutaten gehören Natron und ätherische Öle. Smarticular hat eine Liste mit verschiedenen Deo-Alternativen zum Selbermachen zusammengestellt. Besonders praktisch für unterwegs finden wir die Deocreme auf Kokosöl-Basis. Einmal vorbereitet und in ein kleines Einmachglas gefüllt, nimmt sie kaum Platz weg. Du brauchst nichts weiter als 3 TL Kokosöl, 2 TL Natron und 2 TL Kartoffelstärke. Wenn du magst, kannst du auch noch ein paar Tropfen ätherisches Öl für einen schönen Duft hinzufügen. Hier kommst du zum Rezept.

DIY Zahnpasta

Foto: hilary birdUnsplash

Auch konventionelle Zahnpasta ist gespickt mit chemischen Inhaltsstoffen. Kein Wunder also, dass Massen an DIY-Anleitungen für die Mundhygiene findest. Drin stecken als Basis meistens Kokosfett und Natron. Natron sorgt für den nötigen Abrieb und macht die Zähne schön weiß. Hier sind wir allerdings auch schon beim Problem: Auf Dauer greift Natron die oberste Schicht des Zahnschmelzes an – so können sich Ablagerungen leichter absetzen und anfälliger für Karies werden die Zähne auch noch. Wenn du DIY-Zahnpasta benutzen willst, solltest du das also nicht auf Dauer machen. Aber: Wenn du einige Wochen unterwegs bist und möglichst umweltschonend Zähne putzen willst, sollte es kein Problem geben. Ein ganz einfaches Rezept für Zahnpasta haben wir bei Sonnentor gefunden. Du brauchst nichts weiter als 5g Natron, 1 EL Kokosfett, 1 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl und 10g Birkenzucker für den guten Geschmack. Hier kommst du zum vollständigen Rezept.

Ätherische Öle für den Mückenschutz

Das schönste beim Camping ist doch das direkte Erleben von Natur. Auf schlaflose Nächte und Mückenstiche würde wohl trotzdem jeder gerne verzichten. Mücken, Wespen und Co. erfüllen im Ökosystem aber eine wichtige Aufgabe. Insektensprays voller Chemikalien sind also keine gute Idee. Ganz nebenbei sind die auch für dich selbst ungesund. Wer sich trotzdem schützen möchte, kann auf ätherische Öle in Bio-Qualität zurückgreifen. Besonders wirksam gegen die Plagegeister ist Citronella-Öl, auch bekannt als Zitronengras oder Lemongras. Um die Haut nicht zu reizen, solltest du es mit einem hochwertigen Körperöl mischen und auf die Haut auftragen. Du kannst auch andere Öle ausprobieren, um dich vor Mücken zu schützen. Finde einfach heraus, welches Öl für dich besonders wirksam ist. Salbei, Lavendel oder Rosmarin sind nur einige der möglichen Alternativen.

Mücken reagieren stark auf Gerüche. Schweißgeruch, aber auch süßliche Düfte von Parfum, Deo und Co. ziehen die kleinen Blutsauger an. Achte also darauf, dich regelmäßig zu waschen (auch, wenn es nur mit klarem Wasser ist) und duftneutrale Produkte zu benutzen – oder eben Gerüche, die Mücken abschrecken. 

Fazit – Nachhaltige Outdoor-Hygiene

Nachhaltige Körperpflege beim Camping – das geht mit ein wenig Recherche und Herumexperimentieren. Mit Naturkosmetik und DIY-Rezepten vermeidest du, dass schädliche Inhaltsstoffe in die Natur gelangen. Und ganz nebenbei tust du auch dir und deiner Gesundheit etwas Gutes. Probiere vor deiner nächsten Reise doch einfach schon mal zu Hause aus, welche Produkte du ersetzen oder selbstmachen kannst. Es muss ja nicht alles auf einmal sein. Aber glaube mir, irgendwann macht es sogar richtig Spaß sich damit zu beschäftigen. Und wer weiß, vielleicht bist du dann ja so überzeugt von umweltschonender Kosmetik, dass du auch zu Hause nicht mehr darauf verzichten magst.

Hast du schon mal einen unserer Tipps für nachhaltige Körperpflege beim Camping ausprobiert oder hast noch ganz andere Ideen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen! Übrigens – auf unserem Blog haben wir noch mehr Inspirationen zu den Themen Nachhaltigkeit und Reisen für dich. Schaue doch mal vorbei.

2020-12-10T12:36:55+01:00
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